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Das Oranienburger Modell – einfache Lösung oder trügerische Abkürzung?


Grafik Oranienburger Modell / Trebus




Blankenfelde-Mahlow - In Blankenfelde-Mahlow eint die Bürgerinnen und Bürger ein sehr nachvollziehbarer Wunsch: gute Straßen, sichere Gehwege – und das möglichst ohne zusätzliche finanzielle Belastung für die Anlieger.


Gerade vor diesem Hintergrund wirkt das sogenannte „Oranienburger Modell“ auf den ersten Blick wie eine ideale Lösung.


Die Idee ist einfach: Statt eines aufwendigen und teuren grundhaften Straßenausbaus wird lediglich eine dünne Asphaltdecke auf bestehende Straßen aufgebracht. Schnell, kostengünstig, unbürokratisch.


Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Unter der Oberfläche beginnt die eigentliche Baustelle.


Die Realität liegt unter der Straße

Straßenbau ist weit mehr als Asphalt. Unter jeder Straße liegt ein komplexes System aus Infrastruktur:

  • Trinkwasserleitungen

  • Schmutz- und Regenwasserkanäle

  • Stromversorgung

  • Telekommunikation


Diese Systeme werden nicht „kleinflächig“ gedacht. Sie folgen langfristigen Planungen, oft über ganze Ortsteile hinweg, mit Zeiträumen von mehreren Jahrzehnten.


Das Oranienburger Modell hingegen setzt genau hier an einem kritischen Punkt an: Es betrachtet die Straße isoliert – als einzelne Maßnahme, nicht als Teil eines größeren Systems.

Und genau daraus entstehen Zielkonflikte.


Wo das Modell funktioniert – und wo nicht

Es gibt durchaus Fälle, in denen eine einfache Asphaltierung sinnvoll ist. Aber nur unter sehr klaren Voraussetzungen:

  • reine Anliegerstraßen ohne Durchgangsverkehr

  • sehr geringe Verkehrsbelastung

  • stabiler Baugrund

  • funktionierende lokale Entwässerung

  • keine geplanten Eingriffe in die Leitungsinfrastruktur


Sobald diese Bedingungen nicht erfüllt sind, wird aus der vermeintlich einfachen Lösung schnell ein Risiko.


Ein Beispiel: Wenn Oberflächenwasser nicht mehr versickert, sondern durch die Asphaltierung gebündelt abfließt, können Nachbargrundstücke oder andere Straßen plötzlich stärker belastet werden. Im Extremfall entstehen neue wasserrechtliche Probleme – mit entsprechenden Genehmigungspflichten.


Oder: Wird eine Straße asphaltiert, obwohl in wenigen Jahren Leitungen erneuert werden müssen, wird die neue Oberfläche wieder aufgerissen. Das Ergebnis ist nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch politisch schwer vermittelbar.


Der zentrale Punkt: Planungskonflikte

Der eigentliche Knackpunkt ist also nicht der Asphalt selbst, sondern die fehlende Integration in die Gesamtplanung.


Großflächige Infrastrukturplanung folgt anderen Regeln als punktuelle Instandsetzung:

  • Wasser- und Abwassernetze werden hydraulisch im Verbund betrachtet

  • Strom- und Glasfasernetze werden strategisch ausgebaut

  • Verkehrsstrukturen entwickeln sich langfristig


Das Oranienburger Modell kann diese Zusammenhänge nicht abbilden. Es ist bewusst einfach gehalten – und genau darin liegt seine Grenze.


Eine Frage der Verantwortung

Politisch ist das Thema sensibel. Niemand möchte den Bürgerinnen und Bürgern erklären, warum eine scheinbar einfache und kostengünstige Lösung nicht überall funktioniert.


Aber genau das ist notwendig.

Denn am Ende geht es um drei Dinge:

  1. Technische Nachhaltigkeit – hält die Straße wirklich?

  2. Wirtschaftlichkeit – vermeiden wir doppelte Kosten?

  3. Rechtssicherheit – entstehen neue Haftungs- oder Genehmigungsrisiken?

Wer hier zu kurz denkt, verschiebt Probleme nur in die Zukunft.


Klare Kriterien statt Wunschdenken

Deshalb braucht es eine saubere, nachvollziehbare Prüfung – Straße für Straße.

Die zentrale Leitlinie lässt sich einfach zusammenfassen:


Das Oranienburger Modell ist keine Standardlösung, sondern eine Einzelfallentscheidung.

Und sie funktioniert nur dann, wenn:

  • die Straße für sich technisch „funktioniert“

  • keine Auswirkungen auf Nachbarbereiche entstehen

  • keine Konflikte mit bestehender oder geplanter Infrastruktur auftreten


Sobald einer dieser Punkte nicht erfüllt ist, muss ehrlich gesagt werden: Dann braucht es eine andere Lösung.


Oranienburger Modell ist kein Allheilmittel

Das Oranienburger Modell ist kein falscher Ansatz – aber auch kein Allheilmittel.

Es kann helfen, dort schnell Verbesserungen zu schaffen, wo die Rahmenbedingungen stimmen. Aber es ersetzt keine durchdachte Infrastrukturplanung.


Gerade in einer wachsenden Gemeinde wie Blankenfelde-Mahlow entscheidet sich hier, ob kurzfristige Lösungen langfristig tragen.

Oder ob wir heute sparen – und morgen doppelt zahlen.

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