Amazon-Cloud: Baruth im Zentrum europäischer Datensouveränität?
- Redaktion

- 15. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Baruth/Mark - Der US-Technologiekonzern Amazon Web Services (AWS) treibt seine Pläne für eine neue europäische Cloud-Infrastruktur in Brandenburg konkret voran. Wie der rbb aktuell berichtet, will Amazon mit seiner sogenannten „European Sovereign Cloud“ gezielt öffentliche Stellen und sicherheitssensible Kunden ansprechen, die bislang Vorbehalte gegenüber US-Cloud-Anbietern hatten
Zwei Cloud-Campus – einer davon in Baruth
Nach Angaben von Amazon sollen gleich zwei Cloud-Campus in Brandenburg entstehen. In einem ersten Schritt werde jeweils ein Standort in Baruth/Mark im Landkreis Teltow-Fläming sowie in Finsterwalde aufgebaut. Beide Standorte seien Teil des geplanten europäischen Cloud-Netzwerks, das vollständig innerhalb der EU betrieben werden solle.
Amazon erklärt, man wolle mit diesem Angebot insbesondere Behörden, kritische Infrastrukturen und regulierte Unternehmen erreichen. Diese hätten bislang gezögert, ihre Daten bei US-Anbietern zu speichern – aus Sorge vor rechtlichem Zugriff aus den Vereinigten Staaten.
Milliarden-Investition mit regionaler Wirkung
Das Projekt ist nach Angaben des Unternehmens mit Investitionen in Milliardenhöhe verbunden. Für Brandenburg – und speziell für Teltow-Fläming – könnte das erhebliche wirtschaftliche Effekte haben: Bauaufträge, neue Arbeitsplätze, Nachfrage nach IT-Fachkräften sowie zusätzliche Impulse für Infrastruktur und Energieversorgung.
Gerade Baruth/Mark rückt damit stärker in den Fokus als bislang. Die Ansiedlung eines Cloud-Campus bedeutet nicht nur internationale Aufmerksamkeit, sondern stellt auch hohe Anforderungen an Stromnetze, Glasfaseranbindungen und Verkehrswege.
Kritische Stimmen zur digitalen Souveränität
Gleichzeitig greift der rbb die wachsende Kritik an dem Projekt auf. In einem Interview äußerte sich der Netzpolitik-Experte Markus Beckedahl skeptisch. Er erklärte, echte digitale Souveränität lasse sich nicht allein durch Rechenzentren auf europäischem Boden herstellen. Entscheidend sei, wer letztlich die Kontrolle über Software, Updates und Unternehmensentscheidungen habe.
Beckedahl wies darauf hin, dass AWS trotz europäischer Standorte Teil eines US-Konzerns bleibe. Damit stelle sich weiterhin die Frage, inwiefern europäische Kunden tatsächlich vollständig unabhängig von US-Rechtsvorschriften seien.
Chance für die Region – offene Fragen bleiben
Für Teltow-Fläming bedeutet das AWS-Vorhaben einen Spagat zwischen wirtschaftlicher Chance und politischer Grundsatzfrage. Einerseits könnte sich der Landkreis als moderner Digital-Standort positionieren, andererseits wächst die Sensibilität für Datenschutz, Energieverbrauch und langfristige Abhängigkeiten.
Fest steht: Mit dem geplanten Cloud-Campus in Baruth/Mark wird Teltow-Fläming Teil einer europaweiten Debatte über Daten, Sicherheit und digitale Selbstbestimmung.
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