Mut zur Selbstständigkeit: Potsdamer Augenoptikerin übernimmt Traditionsgeschäft
- Redaktion

- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Potsdam - Der Weg in die Selbstständigkeit beginnt manchmal mit einem einzigen Ordner.
Bei Augenoptikermeisterin Lisa Pittelkow ist er auffällig pink.
„In diesem pinken Ordner ist mein Leben“, sagt sie und lächelt. Darin steckt die monatelange Vorbereitung für einen großen Schritt: Mit Mitte 30, als junge Mutter, hat sie einen etablierten Augenoptikerbetrieb in Potsdam übernommen.
Bis Ende 2025 arbeitete Pittelkow noch als Filialleiterin bei einer großen Optik-Kette in Berlin. Fachlich war sie etabliert und beruflich abgesichert. Doch der Wunsch nach einem eigenen Betrieb wurde immer stärker.
„Eigentlich hätte ich einfach so weitermachen können“, sagt sie rückblickend. „Aber ich wollte etwas Eigenes aufbauen – auch, um meiner Tochter zu zeigen, dass man seinen Weg selbst gestalten kann.“
Der erste Schritt: Beratung und Planung
Im Februar 2025 steht Pittelkow erstmals mit ihrem pinken Ordner bei der Handwerkskammer Potsdam. Dort trifft sie auf die Betriebsberater Manfred Kulla und Melanie Pront. Schon beim ersten Gespräch wird deutlich, wie gründlich sie sich vorbereitet hat.
„Frau Pittelkow war extrem gut vorbereitet“, erinnert sich Betriebsberaterin Melanie Pront.
Sie habe Lebenslauf, erste Kalkulationen und konkrete Vorstellungen zur Positionierung des Unternehmens mitgebracht.
„Man hat sofort gemerkt: Sie weiß, was sie kann, und sie weiß, was sie will.“
In den folgenden Monaten arbeitet Pittelkow gemeinsam mit der Handwerkskammer intensiv an ihrem Gründungsvorhaben. Businessplan, Finanzplanung und Förderanträge entstehen Schritt für Schritt. Auch die Meistergründungsprämie wird beantragt, ebenso eine umfangreiche Finanzierung unter Einbindung der Bürgschaftsbank Brandenburg.
Parallel dazu läuft der Alltag weiter: Beruf, Familie, Termine und Behördenwege. „Es war eine intensive Zeit“, sagt Pittelkow. „Man jongliert sehr viel gleichzeitig und muss trotzdem bei jedem Schritt einen klaren Kopf behalten.“
Bürokratische Hürden auf dem Weg
Der Weg zur eigenen Firma verläuft jedoch nicht reibungslos. Ein geplanter Gründungszuschuss scheitert zunächst an bürokratischen Abläufen.
Um ein Darlehen zu erhalten und Miet- sowie Kaufvertrag unterschreiben zu können, muss das Gewerbe bereits im Juli angemeldet werden. Eine Anmeldung mit künftigem Datum lehnt das Gewerbeamt jedoch ab.
Als später über die Förderanträge entschieden wird, verweist die Arbeitsagentur auf das bereits angemeldete Gewerbe und lehnt sowohl Arbeitslosengeld I als auch den Gründungszuschuss ab. Zu diesem Zeitpunkt ist Pittelkow noch angestellt.
„Das war ein Moment, der sehr an den Nerven gezerrt hat“, erinnert sie sich.
„Man investiert Zeit, Energie und Hoffnung – und dann muss man sich mit solchen Formalien auseinandersetzen.“
Trotzdem hält sie an ihrem Plan fest.
Übernahme eines etablierten Fachgeschäfts
Heute führt Lisa Pittelkow das Fachgeschäft „Carreé Optik“ in Potsdam-Nord weiter. Der Betrieb wurde 2006 von Augenoptikermeister Dirk Hagen gegründet und ist im Stadtteil gut bekannt.
Mit ihrer Übernahme bringt Pittelkow zugleich neue Ideen ein. Durch ihre langjährige Erfahrung in der Filialleitung großer Optik-Ketten kennt sie sowohl die betriebswirtschaftliche als auch die handwerkliche Seite des Berufs. Besonders interessiert sie sich für moderne augenmedizinische Entwicklungen.
Künftig möchte sie das Profil des Geschäfts weiter schärfen – etwa mit speziellen Angeboten für Kinder sowie mit modernen, technikgestützten Messverfahren, die präzisere Diagnosen und individuell angepasste Sehhilfen ermöglichen sollen.
Familie als Rückhalt
Trotz aller technischen Innovationen soll eines im Mittelpunkt bleiben: die persönliche Beratung. „Carreé Optik“ soll weiterhin ein Ort sein, an dem Kundinnen und Kunden die Menschen hinter der Theke kennen.
Für Pittelkow spielt dabei auch ihre Familie eine wichtige Rolle. „Meine Familie war in diesem Prozess sehr wichtig“, sagt sie. „Selbstständigkeit ist kein Solo-Projekt. Man braucht Menschen, die an einen glauben.“
Diese Mischung aus Organisation, Fachwissen und Bodenständigkeit beeindruckt auch ihre Beraterin Melanie Pront. Pittelkow nutze Beratung bewusst als Sparringpartner und übernehme gleichzeitig Verantwortung für ihre Entscheidungen.
„Das ist eine starke Basis für eine erfolgreiche Betriebsübernahme“, sagt Pront.
MutGeschichten bei den Frauenwochen
Ihre Erfahrungen möchte Pittelkow inzwischen auch mit anderen teilen.
Am 12. März 2026 berichtet sie bei der Veranstaltung „Frauen auf dem Weg“ im Rahmen der Brandenburgischen und Potsdamer Frauenwochen von ihrem Schritt in die Selbstständigkeit.
Im Gründungstalk „MutGeschichten“ spricht sie über Chancen, Zweifel, bürokratische Herausforderungen und persönliche Entscheidungen – und steht damit stellvertretend für Frauen im Handwerk, die ihren eigenen unternehmerischen Weg gehen.
Weitere Informationen zur Arbeit der Handwerkskammer Potsdam gibt es unter:
.png)



Kommentare